Schnapsidee

Das GA wird teurer. Avenir Suisse will es während der Stosszeiten gar für ungültig erklären. Pendeln ist ohnehin schlecht für die Gesundheit, mindert die Lebensqualität und macht unglücklich. Dann kann es obendrein ja auch noch unerschwinglich werden. Überhaupt, die Menschen sollen dort wohnen, wo sie arbeiten, das wäre nachhaltiger, und gesünder. Banker in der Stadt und Handwerker auf dem Land. Der Rest dazwischen. Alles brav nach Branche, Bildung und Beruf gettoisiert – pardon – sortiert.705px-Cognac_france_map-fr_svg

Die Banker wären dann die Grande Champagnes, GCs, formerly known as Yuppies. Sie leben und arbeiten in der City. Man muss ihnen lange Zeit zum Reifen geben, jung sind sie aggressiv und den schneller reifendenden Crus unterlegen. Ihre Kollegen aus der Petite Champagne leben in Lofts am See, im schicken Hafenviertel oder im trendigen Industriequartier, das längst keins mehr ist. Sie sind den Grande Champagnes durchaus ebenbürtig. Die Crus werden auch gerne gemischt, man spricht von Assemblage oder Mariage und will damit optimieren.

Gelegentlich ebenfalls für diesen Zweck verwendet werden die etwas milderen Gewächse aus den Borderies, die sich auch dadurch etwas abheben, dass sie schneller reifen, ohne an Lagerfähigkeit einzubüssen. Sie leben in der Altstadt, mit viel Stil und bestem Stammbaum, ihr Chefposten wird vom Vater für sie bereit gehalten, was den Vorsprung im Alterungsprozess erklärt. Der Boden der Fins Bois der Agglomeration ist aufgrund des hohen Tongehalts rötlich. Crus aus dieser Gegend altern schneller als die renommierten Konkurrenten. Hier geht man als Teenager in die Lehre und hat die betriebliche Verantwortung als Meister längst übernommen, während die urbanen Altersgenossen noch grölend die Hörner abstossen. Zum Mischen mit den urbanen Spitzenlagen werden sie kaum mehr eingesetzt. Ebenso wenig wie die aus dem Speckgürtel der Bons Bois, wo der Boden die Feuchtigkeit speichert und zu kräftigen Crus führt, die allerdings auch etwas gröber daher kommen. Das Holz, aus dem die industriellen Facharbeiter geschnitzt sind, währschaft, erfahren, zuverlässig, aber eben mit wenig Feinheiten. Schliesslich bleiben noch die Landeier, vollgesogen mit jodhaltiger Meeresluft und Algengeruch. Sie spielen keine Rolle im Sortiment, in der Stadt weiss man nichts von ihrer Existenz, die Milch kommt eben aus dem Supermarkt. Doch für ihren Weg vom Land in die Stadt braucht sie ja kein GA.

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Veröffentlicht von

Johanna Angele

Johanna Angele studierte Anglistik und Germanistik in Zürich, später folgte eine Weiterbildung zur Wirtschaftsinformatikerin. Ihr beruflicher Werdegang führte sie in die Beratungs- und Finanzbranche. Nach vielen Jahren in der Stadt wohnt sie nun in der Ostschweiz, ist oft in Frankreich und arbeitet in Zürich. Ende 2012 ist von ihr das Buch "Weiberzeit. In Zukunft gemeinsam" erschienen.

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