Aschera

Die Forderung nach Frauenquoten wird lauter, sie ist nicht neu, aber endlich wird sie auch konkret. Die Berner Stadtverwaltung hat sie schon und die EU-Kommission hat eine auf den Weg gebracht. Nachdem alle Versuche auf freiwilliger Basis ergebnislos im Sand verliefen, setzen sich auch hierzulande mehr Frauen für die Quote ein. Allerdings kommen die lautesten Proteste ausgerechnet aus dem weiblichen Lager. Sind es Frauen, die Angst haben, dass das, was sie ohne Quote erreicht haben, andern leichter in den Schoss fallen könnte? Oder jene, die um ihr Ansehen als Frau im Männerpelz fürchten und ihren Nimbus als Exotin im Herrenclub gerne behalten würden? Womöglich liegt darin das Selbstverschulden der Frauen an den tiefen Frauenquoten in den höchsten Gremien: statt ihnen den Weg frei zu machen verhindern sie, dass andere folgen können. Weiblicher Futterneid bei nur eingeschränkt verfügbarer Männlichkeit? Kaum, denn die Damen verlassen die einmal erreichten Höhen rasch wieder, wenn sie mit den Gepflogenheiten an den schweren langen Tischen nicht warm werden. Nicht jede will sich dem Niveau anpassen und sich mit machtdemonstrativen Sprüchen, zotigen Witzen und breitbeinigem Statusgehabe abfinden, unter Tischsitten verstehen Ladies etwas anderes. Jahwe, das Urbild des Gottes der jüdischen, islamischen und christlichen Religionen, wurde als Wettergott auf dem Nordsinai als einer unter vielen Göttern verehrt, bevor ein Mächtiger beschloss, dass es fortan nur noch einen einzigen Gott geben kann. Davor stand ihm auch eine Frau zur Seite, sie hiess Aschera und ihr Kultbaum stand bis 586 v.Ch. im Tempel in Jerusalem. Ausgrabungen im Sinaigebiet förderten 1975 Scherben zu Tage, auf denen von Jahwe und seiner Aschera die Rede ist. Natürlich sind manche der Ansicht, dass Aschera keine ebenbürtige Partnerin Jahwes war, sondern eine Nebenrolle spielte. Tatsache ist, dass die Jahwe Darstellungen jener Zeit aus Stein waren, die Aschera-Standbilder aus Holz. Aschera wurde als Göttin der Fruchtbarkeit und des Haushaltes erwähnt, als Helferin im Alltag oder um Ziele zu erreichen. Zumindest letzteres wäre eine Eigenschaft, die man heute in Firmenzentralen gut gebrauchen könnte, und die deutsche Kanzlerin zeigt in Europa, wie moderne Haushaltshilfe im Alltag aussieht. Hebräische und kanaaitische Frauen sollen aus Brotteig Ashera-Figuren geformt haben, und manche vermuten, dass die Verspeisung dieses göttlichen Gebäcks später in Form von Brot oder Oblaten auch in die christlichen Riten Eingang gefunden hat. Heute findet man  Aschera als Name von teuren Zuchtkatzen und wertvollen Rassehunden. Nun, es ist ein wohlklingender Name. Möge die vergessene Göttin Aschera den Führungsriegen in Politik und Wirtschaft wieder beistehen! Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Machtmensch jetzt in der Weihnachtszeit beim Verspeisen der an überlangen Sitzungen meist von weiblichem Personal gereichten Lebkuchen daran, dass es weniger an Visionen und Verhandlungen fehlt, sondern vor allem an Frauen in ihrem Kreis! Dann klappt es auch mit Haushalten und Zielerreichung.

Advertisements

Veröffentlicht von

Johanna Angele

Johanna Angele studierte Anglistik und Germanistik in Zürich, später folgte eine Weiterbildung zur Wirtschaftsinformatikerin. Ihr beruflicher Werdegang führte sie in die Beratungs- und Finanzbranche. Nach vielen Jahren in der Stadt wohnt sie nun in der Ostschweiz, ist oft in Frankreich und arbeitet in Zürich. Ende 2012 ist von ihr das Buch "Weiberzeit. In Zukunft gemeinsam" erschienen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s