Damenwahl

Nun jubelt das Volk nach dem teuersten Wahlkampf der Welt. Vor vier Jahren war es der längste. Aber wer will in Zeiten von Krisen und Defiziten schon kleckern, da macht klotzen doch viel mehr Spass! Einige Hundert Millionen Dollar soll der Wahlkampf der beiden Kandidaten vor vier Jahren gekostet haben, diesmal waren es weit über zwei Milliarden! Kein Wunder nahm Obama in De Moines unter Tränen Abschied vom Wahlkampf. Schon beinah zynisch das Tweet – Obama tut was für Millionen, Romney für die Millionäre, umso wohltuender, dass Obama twittern konnte: Four more years! Mit rührendem Bild. Ebenso rührend ist Obama als Gentleman. Man kann es als perfekte Inszenierung sehen, diese sicherlich professionellen Bilder, aber lügen tun sie dennoch nicht: der Mann hat eine moderne Auffassung von Partnerschaft. Natürlich haben ihn nicht die weissen etablierten Männer gewählt, sondern Junge, Frauen, Latinos und Schwarze – und gerade diese Bevölkerungsgruppen wachsen. Gut so. Wolfgang Schüssel schreibt in der Kolumne Seitenblick in der NZZ vom 7. November 2012 auch über die Rolle der Frauen im Wahlkampf. „Jeder schätzt es, wenn vom Frieden in der Welt, von Menschenrechten und dem Schutz von Minderheiten gesprochen wird. Sehr positiv werden Themen wie Energieunabhängigkeit oder die Förderung von small business beurteilt. Die Zustimmung der Frauen stieg hingegen sprunghaft an, wenn von Gemeinsamkeiten oder Kooperation über Parteigrenzen hinweg die Rede war. Die Sorge um die Jugend, gute Schulen, Gesundheitsversorgung bewegen Frauen mehr als Männer. Diese wiederum reagieren sofort, wenn es um die Sicherheit der USA, um den Führungsanspruch im Westen, das Verteidigungsbudget, um Wirtschafts- und Budgetfragen geht.“ Kann man daraus Lehren ziehen, fragt der ehemalige Bundeskanzler Österreichs. Ja. Damenwahl, meine Herren, sagt Herr Schüssel.

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Veröffentlicht von

Johanna Angele

Johanna Angele studierte Anglistik und Germanistik in Zürich, später folgte eine Weiterbildung zur Wirtschaftsinformatikerin. Ihr beruflicher Werdegang führte sie in die Beratungs- und Finanzbranche. Nach vielen Jahren in der Stadt wohnt sie nun in der Ostschweiz, ist oft in Frankreich und arbeitet in Zürich. Ende 2012 ist von ihr das Buch "Weiberzeit. In Zukunft gemeinsam" erschienen.

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