Umbruch

Da jubelt das Volk nach dem wohl längsten Wahlkampf der Welt. Schon wird die neue First Lady mit Jackie verglichen, über Nacht zur neuen Stilikone erkoren, ein Hund wird gesucht fürs Weisse Haus – Boots statt Sox? Man jubelt weltweit und feiert, und verfällt doch tags darauf gleichwohl wieder ins Jammern und Maulen. Das Gras ist eben immer grüner auf der andern Seite, was Hans im Glück nicht kann und Hänschen nie gelernt hat: Zufriedenheit und Zuversicht. Den einen will der Neue an den Preiskragen, den andern ans Geheimnis, und jene fürchten die neue Konkurrenz in der Umwelttechnologie. Eben noch nach mehr Regulierung geschrien, wird sie nun verschrien. 
Es ist schon erstaunlich, wie wir in jeder Suppe das Haar suchen und verbissen auch die Stecknadel im Heuhaufen finden, die uns Prinzen und Prinzessinnen zur Erbse gereicht und stört. Kinder an die Macht, so hiess es einmal.Vielleicht ist es aber einfach Zeit für weniger weisse Männer und mehr Frauen und Farbige. Nicht weil sie besser wären, aber weil das Ganze dann besser wird. Die klassischen Strategien für Macht und Erfolg der weissen, männlichen Leader – es war schon länger zu erahnen – sind im 21. Jahrhundert ganz einfach überholt. M ist eine Frau, Q eine Legende und 007 lässt die Machowitze endgültig sein.
Dabei wäre alles so einfach: globale Probleme kann man nur global lösen, think global, act local, auch keine neue Erkenntnis. Nur sollten wir global mal definieren, bevor wir alle global damit verwechseln, dass wir es nur noch mit virtuellen Teams und unüberschaubaren Communities aus androgynen und metrosexuellen Wesen zu tun haben. Nach der Arbeitsteilung ist es Zeit für die Arbeitsgemeinschaft – statt Aufgaben aufzuteilen unter unzähligen Spezialisten sollten wir die vielen Spezialisten an einen Tisch bringen und die Arbeit gemeinsam angehen. (November 2008)

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Veröffentlicht von

Johanna Angele

Johanna Angele studierte Anglistik und Germanistik in Zürich, später folgte eine Weiterbildung zur Wirtschaftsinformatikerin. Ihr beruflicher Werdegang führte sie in die Beratungs- und Finanzbranche. Nach vielen Jahren in der Stadt wohnt sie nun in der Ostschweiz, ist oft in Frankreich und arbeitet in Zürich. Ende 2012 ist von ihr das Buch "Weiberzeit. In Zukunft gemeinsam" erschienen.

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